Ins Bächle getreten

Straßburg. Ein Sonderausschuss des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte hat die im Freiburger Raum angeblich weit verbreitete Praktik der Zwangsheirat beanstandet. Traditionell werden im Breisgau aus anderen Regionen stammende Männer und Frauen Mitgliedern der lokal dominierenden ethnischen Gruppierungen zur Ehe gegeben, sofern sie die Absicht zur Eheschließung durch einen rituellen Tritt in die „Bächle“ der Stadt Freiburg bekunden.

Die Kritik des Sonderausschusses richtet sich dabei nicht gegen das Ritual an sich, sondern gegen die Tatsache, dass viele der zukünftigen Bräute und Bräutigams schon in sehr jungen Jahren gegen ihren Willen von Eltern oder anderen Verwandten in die Stadt gelockt oder gar gezwungen werden. Konkret entzündet hatte sich der Fall am Beispiel des kleinen Louis (5) aus Colmar, der von seinen Großeltern mit dem Versprechen auf Eis auf den Freiburger Rathausplatz gelockt wurde. Auf dem extra zu diesem Zwecke angelegten, schwer begehbaren Kopfsteinpflaster verlor das Kind unweigerlich die Kontrolle und trat in das Bächle. Die Eltern des Jungen klagten jedoch in Folge gegen die nach lokalem Recht und Gesetz folgende Zwangsverlobung mit der kleinen Julia-Sophia (7) aus dem Stadtteil Oberwiehre.

Sollte es über die Mahnung des Ausschusses hinaus zu einem Verfahren kommen, das die traditionelle Praktik für ungesetzlich erklärt, könnte dies für die lokalen Gesellschaftsstrukturen weitreichende Folgen haben. Ethnologischen Erhebungen zufolge kommen 87% der Freiburger Partnerschaften durch Tritte in die Bächle zustande, wobei die Dunkelziffer noch weit höher liegen dürfte. Ein Kompromiss könnte nach Einschätzungen unabhängiger Beobachter jedoch darin liegen, Tritte in die Freiburger Bächle erst ab 18 Jahren zu gestatten und die Möglichkeit eines schnellen „Gildet nicht!“ einzuführen.

Gastbeitrag von JW

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